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Heute, Samstag, den 3. Oktober 2020, feiern wir den 30. Tag der deutschen Einheit in Deutschland.

Überall in Deutschland haben Städte und Gemeinden ein tolles Programm auf die Füße gestellt um den Tag entsprechend zu feiern. Es ist beileibe noch nicht alles Gold was glänzt, aber wir sind nach 30 Jahren auf einem guten Weg. Wenngleich Löhne und Renten als gelpolitische Themen immer noch deutlich differieren. Kaufkraftbezogen ist das Delta jedoch, was vielen im Osten gar nicht bewußt ist nur noch marginal, da die Mieten und Immobilienkaufpreise in vielen Städten und Regionen deutlichst unter Westniveau liegen. Rein Vermögen basiert, liegt der Osten deutlich hinter dem Westen. Aktuell gehört man ab einem Nettovermögen von  ca. 270T € bezogen auf ganz Deutschland zu den oberen 10% unserer Gesellschaft.

Es wird wohl noch mehr als 30 weitere Jahre dauern bis die Einheit wirklich wieder gefestigt ist. Denn in vielen Köpfen gibt es weiterhin Schranken, die noch nicht überwunden werden können. Aber, die gibt es gelegentlich auch innerhalb der neuen oder alten Bundesländer zwischen Nord und Süd, sowie teilweise auch innerhalb einzelner Bundesländer. Es braucht eben alles seine Zeit und gewisse regionale Eigenheiten sind durchaus wunderschön, wie Dialekte oder regionale Traditionen etc.

Geldpolitisch ist meiner Ansicht nach auch nicht alles optimal verlaufen, doch dazu später mehr.

Ein kleiner Blick zurück….

Ich war noch ein kleiner Junge um 1970 herum, also lange vor der Einheit, als wir immer wieder Besuch von Verwandschaft aus Dresden erhielten. Sie brachten mir unter anderem ein tolles SW-Buch über die sächsische Schweiz, Zwinger Briefpapier und zwei Dokumentenmappen mit. Still lauschte ich den Dingen, die ich in weiten Teilen noch nicht verstand.

Später 1986 fuhr ich das erste Mal Transit nach Westberlin um einen befreundeten Fotokaufmann zu besuchen. Wir ruckelten mit 100 km/h über die Transit Autobahn nach Westberlin. Die Mauer in Berlin das erste Mal tatsächlich zu sehen, war ein beklemmendes und beeindruckendes Erlebnis. Ich lief mit meiner Freundin im November viele Kilometer durch ganz Berlin und immer wieder trafen wir auf die Teilung.

1987 begleitete ich Peter Lenk, den Künstler vom Bodensee als Dokumentationsfotograf bei seiner Berlin Aktion mit dem Narrenschiff. Ich fuhr teilweise als Mitzwanziger das Begleitfahrzeug, einen Mercedes 250E als T-Modell. Während des Transits waren viele erstaunt, einen so jungen Menschen am Steuer eines teuren Westfahrzeugs zu sehen.

In den 80er Jahren war ich unter anderem begeisteter Hörer von Ostbands wie City, Karat, Puddys etc.

Die Wiedervereinigung verfolgte ich eher unspektakulär am Fernsehapparat. Erst 1992 führte mich ein Architektur Fotoauftrag in die Region Zwickau/Glauchau nach Sachsen, wo meine Familie vor der Flucht für kurze Zeit lebte.

In den Jahren ab 2000 führten uns familiäre Verpflichtungen immer wieder nach Berlin und wir verbrachten jeden Sommer unseren Urlaub in einer anderen ostdeutschen Gegend. Merkten jedoch schnell, das Wessis als Touristen hoch willkommen, aber als Zugezogene eher ungewollt waren.

Doch jedes sinnvolle Gespräch ist meines Erachtens der Beginn eines gegenseitigen besseren Verstehens. Heute, 2020 lebe ich, wie meine Familie in den beginnenden 50er Jahren wieder im Osten und fühle mich in der thüringischen Landschaft sehr wohl.

Zurück zur Wende und den damaligen Entscheidungen. Die Treuhand hat weiß Gott vieles nicht optimal gestaltet, hatte zuviel westdeutsches Führungspersonal und über die frühe Einführung der Westmark kann man trefflich streiten.

Zum Einen wollte die ostdeutsche Bevölkerung möglichst schnell die Kaufkraft der Westmark, aber wir alle, auch Kanzler Helmut Kohl, vergassen des gesamten Osten und Westen darüber zu informieren, daß damit über Nacht, die gesamten osteuropäischen Märkte der ehemaligen DDR wegbrachen und neue Handelsbeziehungen in keinster Form vorhanden waren und dann westeuropäischer Kapitalismus leichtes Spiel mit den, für West-Verhältnisse, unproduktiven Betrieben hatte.

Auf meinen Ostreisen lernte ich viel tolles Know-How wie zum Beispiel in Weimar 2012 einen genialen Handwerker kennen, der ein fantastisches Wissen über Pigmente bei der Restauration von altem Fachwerk hatte usw.

 

Alles in Allem, hätten wir vor 30 Jahren rückblickend vieles optimaler gestalten sollen, aber, es gab keine Blaupause für diesen Geniestreich der Geschichte. Deutschland ist wieder vereinigt uns so langsam wachsen unsere Kinder, die die Teilung nur aus dem Geschichtsunterricht kennen in entscheidende Positionen hinein und es werden sich Zug um Zug auch mehr Ostdeutsche in der Führung behaupten, da bin ich mir sicher.

Lassen wir uns überraschen, was sich die nächsten 30 Jahre ereignet.