Seite wählen

Der Marathon zum finanziellen Erfolg

Der junge Anleger wünschte sich vor allem eins: Schnellen Wohlstand und finanziellen Erfolg. Sein Geld sollte mit den verschiedensten Finanzprodukten wachsen und er legte all sein Vertrauen in die Berater, die ihm jene verkauft hatten. Nun dachte er, würde das Geld zügig beginnen für ihn zu arbeiten und sich dank der zu erwartenden Zinsen schnell vermehren. Doch als er nach einem Jahr in sein Depot und auf sein Konto blickte, da verlor er allen Glauben an die Finanzindustrie. Mit den Zinsen hatte sich sein Kapital kaum vermehrt und der begonnene Sprint zur finanziellen Freiheit schien völlig schiefgelaufen zu sein.
Ein anderer junger Anleger begann zur gleichen Zeit und mit exakt den gleichen Finanzprodukten den Weg zu mehr Wohlstand. Er jedoch war sich sicher, dass es ein echter Marathon werden würde, den er zu bewältigen habe und bei dem vor allem die Tugenden der Ruhe und Geduld gefragt sein würden. Auch er sah nach einem Jahr auf sein Konto und Depot. Es waren exakt die gleichen Zahlen zu sehen wie beim zuerst vorgestellten Anleger, doch der zweite Kandidat stellte fest, dass er nun bereits einen großen Schritt auf seinem Marathon gegangen war, nämlich den großen Schritt des Anfangs.
Wie gingen die beiden nun mit der Situation um?
Als Sprinter löste der erste Anleger seine Depots auf bzw. kündigte seine Finanzprodukte. Er suchte nach neuen Ideen zur Geldanlage und legte die gleiche Menge Geld an wie vor einem Jahr. Von den aufgelaufenen Zinsen hingegen gönnte er sich ein schönes Wochenende, denn zu mehr reichte der aufgelaufene Gewinn nicht aus.
Stattdessen hat der Marathonläufer auch weiterhin auf die Produkte vertraut für die er sich einst entschieden hat. Nur ab und an nahm er leichte Veränderungen vor und legte dabei stets auch immer die aufgelaufenen Zinsen mit an, die bereits durch seine Anlage in seinen Besitz gekommen waren.
Auch nach dem zweiten Jahr war die Gemütslage bei den beiden Anlegern so unterschiedlich wie sie nur sein kann. Nach einigen Jahren der verzweifelten Versuche gab der Sprinter schließlich auf und legte keine finanziellen Mittel mehr an. Es hilft doch nichts und man hat so keine Chance, zur wirklichen finanziellen Freiheit zu gelangen. Dies erzählte er in Zukunft auch seinem Umfeld, seiner Familie und seinen Kindern, welche sich somit erst gar nicht trauten, ihr Geld wirklich ans Arbeiten zu kriegen und von den Effekten zu profitieren.
Er unterschätzte die vielleicht größte Kraft, die der Finanzmarkt zu bieten hat: Es handelt sich um den Zinseszins.
Beim Marathonläufer wuchsen die Zinsen, die auf seine Produkte anfielen in jedem Jahr. Zu Beginn schien die Steigerung noch gar nicht zu erkennen sein, doch nach einigen Jahren wurde es immer größer und stärker. Der Marathonläufer bedachte bei seinem Vorgehen, dass sich das exponentielle Wachstum einstellen wird und der Zinseszins seine Kraft auch bei seiner Geldanlage entfalten würde.
Wir Menschen denken zu oft linear und das exponentielle Denken liegt nicht in unserer Natur. Egal wie viele Beispielrechnungen uns vorgelegt werden, so fällt es uns dennoch schwer, dies auch auf unsere eigenen Finanzen anzuwenden und wirklich zu glauben, dass wir vom gezeigten Effekt ebenfalls profitieren könnten. Unser Marathonläufer hat diese Blockade überwunden und nach einigen Jahrzehnten war es ihm vergönnt tatsächlich den entscheidenden Satz zu sagen: ,,Jetzt bin ich finanziell frei.”

 

 

 

Text: ULI BECK & TEAM