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Der Weg an die Spitze

Geld ist weder gut noch schlecht!

 
Ich blicke hinunter auf die unendlichen Weiten Miamis. Ich stehe hier einfach und genieße den Augenblick. So hoch über der Stadt, über den Anderen. Ich denke daran, wie es alles angefangen hatte. In den Problemvierteln Berlins.
Aufgewachsen bin ich in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Ich teilte mir das Zimmer mit meinen drei Brüdern. Ständig bedroht von der Existenzangst, das war meine Kindheit. Als ich wieder einmal nicht hatte schlafen können, weil meine Mutter weinend an den Rechnungen und Mahnungen verzweifelte, wusste ich es: Ich muss hier raus. Nie wieder soll jemand aus meiner Familie in solchen Bedingungen leben müssen. Diese zusammengekauerte Gestalt meiner Mutter, ihr Gesicht von Tränen überflossen, das war für mich zuviel. Ich stürmte aus dem Haus. Ich schrie und weinte. Es musste einfach raus. Ich beschloss alles zu tun, um etwas an der Situation zu ändern. Gedrungen von dieser Not begab ich mich in die dunklen Milieus der Stadt, schon bald war ich teil schmutziger Geschäfte. Doch das Geld, es blieb nie in meinen Händen. Je mehr ich verdiente, desto höher wurden die Rechnungen, die bezahlt werden mussten. Ich kam zu dem Schluss: Geld ist nicht die Lösung, es ist viel mehr das Problem. Denn es brach uns als Familie auseinander, jetzt stand ich allein da. Ich hatte kein Zuhause mehr, ich war allein.
Um mich über Wasser zu halten, hangelte ich mich von Minijob zu Minijob. Bis ich dann eines Tages diesen Mann sah: Er war in das Kaffeelokal gekommen, in dem ich teilzeit arbeitete. Er strahlte, warf mir eine Bestellung zu und setzte sich. Als dieser Mann sah, wie eine fremde Frau mit Kind in das Lokal kam und das Kind um eine Süßigkeit bettelte, doch die Mutter nur im ihr leeres Portemainne sah, kaufte er dem Kind das Objekt der Begierde. Er wurde in diesem Moment der Inbegriff des Teilens für mich und ich hatte das dringende Bedürfnis mit ihm zu sprechen. Nachdem ich ihm meine Geschichte erzählt hatte, lehrte er mir, dass Geld weder schlecht noch böse ist, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Wir entscheiden selber, ob es Problem oder Lösung ist. Diese Worte änderten mein Verhältnis zu dem aus meinen Augen ehemaligen Wurzel allen Übels einmalig. Ich sah es als Lösung, wenn ich nur richtig handle. Ich schöpfte daraus Motivation, mehr und mehr zu arbeiten, ich sah es als Spiel an, deren Regeln ich endlich verstanden hatte. Und es machte mir zunehmend mehr Spaß.
Wo es mich hingetrieben hat? Nach oben, an die Spitze, denn ich wusste nun, dass nie das Geld das Problem war. Hier bin ich also, auf den Dächern hoher Gebäude. Da wo ich immer sein wollte. Ich sehe zur Seite, meine Mutter stahlt mich an. Ich weiß, hier gehöre ich hin.

 

 

Text: ULI BECK & TEAM