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Die Geschichte des Pfandbriefs und die Rettung der Hypo Real Estate durch die Bundesregierung

 

Was ist ein Pfandbrief?

Pfandbriefe sind durch Kredite oder Hypotheken des öffentlichen Sektors gedeckt. Diese Schuldverschreibungen werden durch separate Darlehen gestützt und verfügen über eine relativ hohe Bonität. Die Europäische Union schuf 1988 Leitlinien, die höhere Verbriefungen am Anleihenmarkt ermöglichen und dadurch eine gesetzliche Besicherung des Wertpapiers festsetzt. Die Darlehen eines Pfandbriefes verbleiben in der Bilanz des emittierenden Finanzinstituts, daher sind auch bei Insolvenz des Kreditgebers weiterhin Zinszahlungen gewährleistet. Wegen der zusätzlichen Schutzebene haben Pfandbriefe typischerweise AAA-Bewertungen.

 

Die Geschichte des Pfandbriefs

Pfandbriefe wurden 1769 in Preußen von Friedrich dem Großen und 1795 in Dänemark eingeführt. Nach dem Siebenjährigen Krieg entstand eine erste Version dieser Schuldverschreibung, um einem Kapitalmangel entgegenzuwirken. Der dänische Pfandbriefkredit entstand nach dem großen Brand von Kopenhagen im Jahr 1795. Heute werden in Dänemark fast alle Immobilien mit Pfandbriefen finanziert und das Land ist damit der drittgrößte Emittent in Europa. In Preußen wurden Pfandbriefe durch Landeseinrichtungen verkauft und dem öffentlichen Recht unterstellt. Sie wurden durch Immobilien und das Emissionsvermögen gesichert. Um 1850 durften die ersten Hypothekenbanken Pfandbriefe zur Refinanzierung von Hypotheken verkaufen. Mit dem Hypothekenbankgesetz von 1900 wurde dem gesamten Deutschen Reich eine einheitliche rechtliche Grundlage für die Emission von Pfandbriefen gegeben. Im Laufe der Jahre wurden Pfandbriefe für Banken in ganz Europa zu einer Möglichkeit, Finanzierungen für Eigenheimkredite und andere Darlehen zu schaffen. In Deutschland schlossen sich 39 Kreditinstitute zum Verband Deutscher Pfandbriefbanken (vdp) zusammen – der größte Finanzier im Wohn- und Gewerbebau. Laut eigenen Angaben haben diese einen jeweiligen Marktanteil von 30 % bei Wohnungskrediten und 58 % bei gewerblichen Ausleihungen. Insgesamt belief sich der Immobilien-Kreditbestand der Pfandbriefbanken zum Jahresende 2016 auf 1.277 Mrd. Euro.

 

Das HRE-Rettungspaket

Die Hypo Real Estate Holding AG war die zweitgrößte Hypothekenbank in Deutschland. Das Unternehmen wurde im Oktober 2008 inmitten der globalen Finanzkrise von der Bundesbank und anderen deutschen Banken gerettet, bevor ein Jahr später eine Verstaatlichung genehmigt wurde. Im September 2008 geriet HRE aufgrund der hohen Schuldenlast ihrer Tochtergesellschaft Depfa in finanzielle Schwierigkeiten. Am 29. September 2008 kündigte Finanzminister Peer Steinbrück an, dass eine Kreditlinie in Höhe von 35 Milliarden Euro von der Regierung und einem Konsortium deutscher Banken vergeben werde. Der Deal fiel am 4. Oktober 2008 nach dem Rückzug des beteiligten Bankenkonsortiums auseinander. Am 6. Oktober wurde ein zweites Rettungspaket beschlossen, bei dem deutsche Banken und die Bundesbank zusammen 50 Milliarden Euro beisteuerten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Steinbrück drückten zur gleichen Zeit Zweifel an der HRE-Führung aus. Die Bundesregierung wollte eine Entscheidung treffen bevor die asiatischen Märkte am Montag öffneten. Sie befürchteten den endgültigen Zusammenbruch der HRE und einen hohen Druck auf den Aktienmarkt. An der Frankfurter Börse verlor die HRE-Aktie dennoch 33,69 % ihres Wertes, während der Dax insgesamt um 4,22 % fiel.

Am 13. Oktober kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Rettungspaket im Wert von bis zu 500 Milliarden Euro für den deutschen Banken- und Versicherungssektor an. Die Rettungsaktion war die größte staatliche Intervention in der deutschen Wirtschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Darin enthalten waren Garantien in Höhe von 400 Mrd. EUR für Interbankenkredite zur Wiederherstellung der Liquidität und frisches Kapital in Höhe von 100 Milliarden Euro. Merkel wollte damit das Vertrauen zwischen den Banken und Bürgern gewährleisten.
Nach einem weiteren Krisengipfel forderten Politiker den Rücktritt der HRE-Geschäftsführung – darunter Peer Steinbrück. Der Vorstandsvorsitzende Georg Funke trat daraufhin zurück. Im Februar 2009 erhielt HRE im Rahmen des Sondervermögens Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) über mehrere Stufen weitere Garantien, die sich auf insgesamt 52 Milliarden Euro beliefen. Im Mai 2009 beschloss die Hauptversammlung der HRE, den Weg zur Verstaatlichung freizumachen.

 

Ausblick

Die Aussichten für das Bankensystem insgesamt bleiben in Europa aufgrund verschiedener Unsicherheiten, darunter die Auswirkungen des Brexits, ungewiss. Pfandbrief-Emissionen waren in den letzten Jahren stabil. Die allgemeine Erwartung war, dass der Bruttoabsatz von Pfandbriefen in Europa im Jahr 2017 mit rund 130 Milliarden Euro unverändert bleiben würde. Moody’s gewährt auch 2018 regelmäßig AAA-Einstufungen und positive Aussichten für das Wertpapier.

 

Textumsetzung: K. Park