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Geschichte der Aktie

Definition Aktie

Große Firmen, die die Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG) haben, können auf dem Aktienmarkt Kapital einsammeln. Dies geschieht in der Regel durch einen Börsengang, bei dem Firmen Aktien ausgeben und Anleger die Möglichkeit erhalten, sich am Vermögen eines Unternehmens zu beteiligen. Es handelt sich also bei Aktien um Unternehmensanteile, die in vielen Fällen an Börsen gehandelt werden. Sie sind oft in Indizes, wie zum Beispiel dem Deutschen Aktienindex – Dax, enthalten. Der Dax enthält dreißig Aktienwerte, der MDax (Mid-Cap-Index) beinhaltet die fünfzig nächstgrößeren Titel. Der TecDax enthält die 30 größten Unternehmen aus dem Technologiebereich.

Aktien und Aktiengesellschaften

Bei einer Aktie handelt es sich um eine Urkunde, deren Inhaber einen Anteil an dem Vermögen einer Aktiengesellschaft (AG) besitzt. Benötigt ein Unternehmen Kapital, um zum Beispiel zu expandieren oder um die eigene Geschäftsidee umzusetzen, benötigt es entsprechendes Kapital. Fehlt dieses Geld, kann das Unternehmen zunächst einen Kredit aufnehmen. Allerdings steht ihm das Kapital dann nur befristet zur Verfügung und muss zudem jedes Jahr verzinst werden. Es hat aber auch die Möglichkeit, an die Börse gehen, wo wiederum die Idee des Unternehmens und Kapital von Anlegern zusammentreffen. Das Unternehmen kann eine bestimmte Summe in kleine Anteile aufteilen und Aktien herausgeben. Es kann zum Beispiel einen Teil dieser Aktien behalten und einen anderen Teil an der Börse an Investoren (Aktionäre) verkaufen. Dadurch werden die Aktionäre Miteigentümer. Laufen die Geschäfte des Unternehmens gut, steigt der Kurs der Aktien an und der Aktionär verdient an steigenden Aktienkursen. Hinzu kommt, dass der Aktionär jährlich einen Gewinn in Form einer Dividende erhält („Ausschüttung“).

Zweck von Aktien

Durch den Kauf von Aktien stellt ein Aktionär einem Unternehmen Kapital zur Verfügung. Der Investor hofft, dass er einerseits eine Gewinnausschüttung in Form einer Dividende erhält und andererseits der Wert der Aktie steigt. Ohne die Möglichkeit, Unternehmensanteile in Form von Aktien zu verkaufen, um dadurch Zinsen für Kredite einzusparen, wären zahlreiche wirtschaftliche Entwicklungen erst gar nicht möglich gewesen. Durch dieses Kapital wurden Eisenbahnen, Ölquellen, Minen und sogar der Suezkanal finanziert. Auch andere Bereiche wie Luftfahrt, Automobilindustrie oder die Elektronikbranche, wären ohne Aktienkapital erst gar nicht möglich geworden.

Entwicklung von Aktienkursen

Grundsätzlich lässt sich die Frage, weshalb sich die Kurse von Aktien bewegen, einfach beantworten. Es gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Übersteigt das Angebot eines bestimmten Wertpapiers die Nachfrage deutlich, sinken dessen Kurse. Wird wiederum die Nachfrage größer als das Angebot, steigen die Kurse.

Die Gründe, weshalb sich Angebot und Nachfrage nach Aktien ändern, können sehr unterschiedlich sein. Eine Möglichkeit ist, dass ein Unternehmen Geschäftszahlen bekannt gibt, welche besser ausgefallen sind, als erwartet. Darauf kaufen viele Investoren Aktien dieses Unternehmens, weil sie erwarten, dass eine entsprechende Dividende ausgezahlt wird oder der Aktienkurs weiter ansteigt. Gibt ein Unternehmen schlechte Zahlen bekannt, werden viele Aktionäre versuchen, ihre Aktien zu verkaufen. Die Folge ist der Abfall des Aktienkurses bei einer gleichzeitig fallenden Nachfrage.

Die tägliche Kursentwicklung an den Börsen hängt noch von weiteren Faktoren ab. Ursachen können zum Beispiel die Bekanntgabe von Wirtschaftsdaten bestimmter Länder oder die Veröffentlichung von Arbeitslosenzahlen sein. Auch politische Ereignisse oder sogar die Ergebnisse von Wahlen können sich auf die Kurse von Aktien auswirken. Kommt es zu Katastrophen, wie zum Beispiel der Finanzkrise 2008 oder den Ereignissen am 11. September 2001, hat dies große Auswirkungen auf die Entwicklung von Aktienkursen. Die Kurse können durch die sogenannte Charttechnik analysiert werden. Durch Charts wird der Kursverlauf von Aktien beobachtet und in die Entscheidungsfindung für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren mit einbezogen.

Arten von Aktien

Es gibt verschiedene Begriffe, die für Aktien verwendet werden.

Stammaktien ermöglichen ein Stimmrecht des Aktionärs auf der Hauptversammlung des Unternehmens. Vorzugsaktien gewähren in der Regel mehr Dividende, gewähren aber kein Stimmrecht.

Die Rechte, die mit einer Inhaberaktie verbunden sind, stehen dem Inhaber, also dem Besitzer der Aktie, zu. Bei den meisten Aktien handelt es sich um Inhaberaktien.

Namensaktien erfordern den Eintrag des Namens des Aktionärs in das Aktienregister.

Bei Nennwertaktien erfolgt eine Aufteilung des Grundkapitals nach dem Nennwert. Häufig beträgt der Nennwert ein Euro, wodurch vom Unternehmen entsprechend viele Aktien herausgegeben werden.

Stückaktien besitzen keinen Nennwert. Die Aktiengesellschaft legt lediglich die Zahl der Aktien fest.

Bei jungen Aktien handelt es sich um Papiere, die bei einer Kapitalerhöhung herausgegeben werden. Benötigt ein Unternehmen mehr Geld, gibt es im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien heraus. Bei alten Aktien handelt es sich um die Papiere, die bereits vorhanden waren. Inhaber alter Aktien erhalten Bezugsrechte, die sie zum Kauf junger Aktien verwenden oder ebenfalls an der Börse verkaufen können.

Antike und Mittelalter

Schon bei den Römern erfolgte die Verpachtung von Erträgen aus Zöllen, Bergwerken oder Salinen an eine Art Finanzgesellschaft. Diese hatten mehrere Mitglieder. Sie lösten sich jedoch wieder auf, als die Pacht ausgelaufen war.

Im Zwölften Jahrhundert entstanden in Italien Stadtrepubliken, die eine Art Bankensystem entwickelten. Es gab erstmals sogenannte regelmäßige „Tauschbörsen“, bestehen aus Kaufleuten und Geldwechslern, die auf öffentlichen Marktplätzen zusammenkamen, um miteinander Geschäfte abzuschließen. Hier wurden Rohstoffe, fertige Produkte, Währungen und sogar Staatsanleihen gehandelt. Auch Kredite wurden vergeben. 1407 wurde in Genua die „Banca di San Georgio“ gegründet. Sie gab schon damals Obligationen heraus, durch die Schuldner zu Eigentümern von Anteilen wurden.

Ursprünge von Börsen

Im Laufe der Zeit wuchs jedoch die Zahl der Marktteilnehmer immer weiter an, weshalb auch das Handelsvolumen zunahm. Dadurch wurden feste Regeln notwendig, ebenso musste ein Gebäude gebaut werden. Vorreiter war die belgische Stadt Brügge, die den Handel 1409 in ein eigenes Gebäude verlegte. 1540 folgten Nürnberg und Augsburg, 1585 kam Frankfurt hinzu. 1566 entstand in London das erste Börsengebäude, Sevilla folgte 1582 und Amsterdam 1608.

Die in Antwerpen entstandene Börse war Treffpunkt von Händlern aus verschiedenen Nationen. Das Gebäude, in dem sich die Börse befand, war das der Familie »van der Beurse«, welche in ihrem Wappen drei Geldbeutel (auf lateinisch: bursa) führte. Aus der Bezeichnung für Lederbeutel, den Bursa, entstand wahrscheinlich der Begriff Börse. Ebenfalls in Antwerpen gab es schon einen Handel mit Derivaten (Futures auf Getreide). 1531 begannen dort Geschäfte mit Anleihen. Schon hier entstanden die ersten Spekulanten und Broker für Wertpapiere. Allerdings mussten die Händler und Marktteilnehmer selbst, das heißt physisch präsent sein, um ihre Geschäfte zu erledigen. Daraus entwickelte sich der Begriff „Präsenzhandel“. Der Boden der Börsengebäude, auf dem die Händler standen, wurde meistens aus Parkett angefertigt, woraus die Bezeichnung „Parketthandel“ entstand.

Entstehung von Aktiengesellschaften

Ende des Sechzehnten Jahrhunderts schickten Amsterdamer Gewürzhändler jährlich bis zu 70 Schiffe nach Indonesien, um dort Pfeffer einzukaufen. Daraus entwickelte sich ein lukrativer Gewürzhandel, der sich nach und nach als sehr einträglich erwies. Folglich stiegen immer mehr Firmen in diesen Handel ein, weil sie sich einen hohen Profit erhofften. Die größten dieser Gesellschaften bildeten 1602 die „Vereinigte Ostindische Handels-Kompanie – V.O.C.“. Bei diesem Zusammenschluss wurden erstmals wohlhabende Kaufleute gemeinsam mit Provinzen und Städten durch Anteile an Geschäften beteiligt. Hinzu kam, dass diese Anteilsscheine gehandelt werden konnten, woraus sich erstmals eine Form von Aktienhandel entwickelte.

Die englische „East-India Company“ besaß bereits im Jahr 1600 über ein Privileg der englischen Krone. Sie wurde 1613 eine Aktiengesellschaft und bestand immerhin bis 1858, während die Tätigkeit der V.O.C. schon 1799 endete.

Erste deutsche Aktiengesellschaft

Die erste deutsche Aktiengesellschaft entstand unter Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten. Es handelte sich um die „Handels-Compagnie auf den Küsten von Guinea“ von 1682. Anschließend folgte die „Brandenburgisch Afrikanische Compagnie“, die in Afrika Handel mit Pfeffer, Elfenbein, Gold und Sklaven trieb. 1719 erfolgte durch die Habsburger die Gründung der „Orientalischen Gesellschaft“. Anschließend entwickelten sich durch die Hansestädte verschiedene Versicherungsgesellschaften.

In Preußen entstand 1765 die „Berliner Assekuranz“. 1770 folgte die „Breslauer Zucker Raffinerie“, gefolgt 1793 von der „Berliner Zuckersiederei“. Die Finanzierung dieser Gesellschaften erfolgte durch Großbankiers aus dem Privatvermögen der Bürger. Ebenso gaben Provinzen, Länder, Gemeinden und Städten Anleihen heraus, mit denen sie ihre Infrastruktur finanzierten. Auch im Ausland erfolgte die Herausgabe von Anleihen und die Einführung von Aktien an den Börsen. So erfolgte zum Beispiel auch die Bezahlung des Baus der Transsibirischen Eisenbahn.

Regulierung des Aktienrechts in Preußen

Zu Beginn des Neunzehnten Jahrhunderts existierten noch keine gesetzlichen Grundlagen zur Gründung von Aktiengesellschaften. Eine Gründung musste in Preußen durch den König genehmigt werden. Am 9. November 1843 wurde das Börsenwesen Preußens erstmals in einem Gesetzeswerk zusammengefasst. Es war möglich, mit Ausnahme von Banken, Aktiengesellschaften zu gründen. Bereits 1850 existierten in Preußen 130 Aktiengesellschaften. Zwischen 1851 und 1870 kamen weitere 295 Gesellschaften dazu. Das Gesamtgrundkapital lag bei 2,4 Milliarden Mark, von denen 72 Prozent auf die Aktiengesellschaften von Eisenbahnen entfielen. 1862 entstand für Deutschland und Österreich das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch, in dem das Aktienrecht für Aktiengesellschaften geregelt wurde.

Im Juni 1870 entstand das Aktiengesetz des Norddeutschen Bundes, welches in Preußen auch die Gründung von Banken als Aktiengesellschaften zuließ. Die Struktur der Aktiengesellschaften wurde durch dieses Gesetz beeinflusst, indem Aufsichtsräte eingeführt wurden. Der Mindestnennbetrag einer Namensaktie wurde auf 150,00 Mark und der einer Inhaberaktie auf 300,00 Mark festgelegt.

Siegeszug im Deutschen Reich

Anschließend erlebten Aktien in Deutschland eine Blütezeit, die bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges anhielt. 1897 wurde ein Börsengesetz erlassen, das für alle deutschen Börsen galt. Es gab seinerzeit immerhin 28 verschiedene Handelsplätze. Das Gesetz regelte unter anderem eine Staatsaufsicht. In der Zeit von 1900 bis 1909 stieg die Zahl der Aktiengesellschaften von 4.500 auf 5.222 mit einem Grundkapital von 14,7 Milliarden Mark. Im Juli 1914 schlossen die deutschen Börsen aufgrund der sich ankündigenden Kriegsgefahr. Erst im Dezember 1917 durfte in Deutschland wieder mit Aktien gehandelt werden.

Auch weltweit waren Aktien nicht aufzuhalten. Gerade viele Unternehmen aus den Bereichen Bergbau und Eisenbahn deckten ihren Kapitalbedarf über die Börse und lockten zudem mit großen Dividenden.

Nach dem Ersten Weltkrieg

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war jedoch von großen Unsicherheiten geprägt. Die Gründung einer Aktiengesellschaft durfte zwischen 1917 und 1920 nur bei einem Grundkapital von mindestens 300.000 Mark erfolgen. Notwendig war zudem eine staatliche Genehmigung.

Börsencrash von 1929

In den Zwanziger Jahren entwickelten sich die Vereinigten Staaten zu einem Zentrum wirtschaftlichen Fortschritts, der mit einem noch nie da gewesenen Boom verbunden war. Die Industrieproduktion wuchs jährlich um sechs Prozent, bei der immer mehr Amerikaner zu Wohlstand kamen. Diese wollten ihr Vermögen weiter vergrößern und begannen mit Börsenspekulationen. Nur etwa zehn bis zwanzig Prozent mussten an die Börsenmakler ausgezahlt werden. Die Restsumme wurde durch Kredite finanziert oder es wurde auf weiteren Gewinn spekuliert.

Am Vormittag des 14. Oktober 1929 bröckelten plötzlich die Kurse. Aktionäre gerieten in Panik und wollten ihre Aktien schnellstmöglich in Bargeld umwandeln. Die Folge war, dass die Kurse in rasantem Tempo nach unten fielen. Es entstand ein Kursgewitter, bei dem der Dow Jones Index innerhalb kurzer Zeit mehr als 50 Prozent des Wertes einbüßte. Jener schwarze Donnerstag beendete die Goldenen Zwanziger Jahre.

Die Dreißiger Jahre

Die Erkenntnis, dass es sich beim Börsencrash von 1929 um eine der schwersten Krisen der Weltwirtschaft handelte, setzte sich erst 1930 / 1931 durch. Die Folge waren starke Kursschwankungen und ein rasantes Absacken der Industrieproduktion. In Deutschland stieg die Arbeitslosigkeit bis Ende 1930 auf mehr als fünf Millionen an und erreichte im Februar 1932 mit etwa sechs Millionen ihren Höchststand.

1930 büßte der Dow Jones mehr als 33 Prozent ein. Die Börsen waren nervös und jede schlechte Meldung führte zu einem Kurssturz. Erst zu Beginn des Jahres 1933 begann eine leichte Erholung, die ihre Ursache in der wirtschaftspolitischen Maßnahme „New Deal“ fand. In den USA begann Präsident Roosevelt mit großen Infrastrukturprogrammen, die die Arbeitslosenzahlen senkten. Die New York Stock Exchange verzeichnete 1933 einen Zuwachs von beinahe 68 Prozent. 1935 folgte ein weiterer Kursanstieg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

In den fünfziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts gab es in Deutschland Aktiengesellschaften, wie Daimler-Benz, BASF oder Bayer, die sich zu Motoren des deutschen Wirtschaftswunders entwickelten.

In den späten Neunziger Jahren gab es einen weiteren Börsenboom mit einer großen Nachfrage nach Aktien. Ausschlaggebend dafür war unter anderem die Ausgabe von Aktien der Deutschen Telekom, die sich zur „Volksaktie“ entwickeln sollte.

Von etwa 3.600 Aktiengesellschaften in Deutschland sind weniger als 1.000 an einer Börse notiert. Nur bei diesen Firmen haben auch Kleinanleger die Möglichkeit, ihr Geld in interessante Unternehmen zu investieren.

 

Text: ULI BECK & TEAM