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Das System der Fugger

 

Die Familien-Dynastie Fugger

Die Fugger kommen 1367 als Weberfamilie nach Augsburg. Innerhalb weniger Generationen entwickelt sich die Familie zu erfolgreichen Kaufleuten und Bankiers. Jakob Fugger, „der Reiche“, ist von 1495 bis 1525 der bedeutendste Unternehmer in der Montanindustrie und Bankier in Europa. 1511 wird Jakob in den Adelsstand des Heiligen Römischen Reiches erhoben. Als begütertes Adelsgeschlecht regieren sie die Grafschaften Kirchberg und Weißenhorn. Die Familie erwirbt ausgedehnten Herrschaftsbesitz, der unter Anton Fugger (*1493) zur wirtschaftlichen Basis der Familie Fugger wird und sie zur wohlhabendsten Kaufmannsfamilie ihrer Zeit macht. Die Fuggerei (Sozialwohnungen für Arme) wird 1519 gegründet. Über drei Jahrhunderte hinweg sind die Fugger eine bedeutende Kraft in der europäischen Wirtschaft und Politik. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ziehen sie sich aus der Finanzwelt zurück. Heute repräsentiert Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger die 18. Generation der Dynastie. Sie steht den Familienstiftungen vor, die Jakob Fugger einst gründete.

Einfluss auf Kaiser und Seelenfrieden

Das Geschäftsprinzip der Fugger basiert auf Jacob, der als einer der reichsten Menschen der Geschichte gilt. Er erwirbt Vermögen und Macht durch die Finanzierung des Hauses Habsburg. Jacobs Einfluss beginnt mit Friedrich III., Deutscher Kaiser und König von Preußen. Im Jahre 1491 gewährt Jakob ein Darlehen für dessen Sohn und Nachfolger, Kaiser Maximilian I. Die Zinssätze betragen zu dieser Zeit nie weniger als 12 %. Wenn ein Kreditrahmen notfalls erhöht werden muss, wird oft eine Zinsrate von bis zu 45 % ausgehandelt – Kredite für Kaiser- und Königreich sind profitabel. Fugger ist so einflussreich, dass er Maximilian zwingt, das österreichisch-ungarische Reich zu gründen, und er finanziert dessen Nachfolger, Kaiser Karl V. Jakob Fugger hilft dem Heiligen Römischen Reich, Europa und Lateinamerika zu dominieren, sammelt Spenden und schickt sie an den Papst. Daraufhin soll er den päpstlichen Ablasshandel übersehen und wird dafür von Martin Luther gerügt.

Die Bankiers werden zu Verwaltern des kaiserlichen Staatsvermögens. Jacob geht noch weiter und überschwemmt den Markt mit Rohstoffen, so dass der Preis kollabiert und seine Konkurrenten geschwächt werden. Anschließend ermöglicht er Portugal, den Gewürzhandel nach Lissabon zu verlagern – auf Kosten von Venedigs Wirtschaft. Inzwischen hat Fugger auch weitere Pionierarbeit geleistet. Jakob möchte umfassende Informationen über Handel und Gewerbe erhalten, was ihn dazu veranlasst, ein Netzwerk von Kurieren aufzubauen. Die Berichte werden nach Augsburg gebracht und in Form einer einfachen Zeitung an Kunden verteilt. Fugger hat damit den ersten Nachrichtendienst der Welt erfunden. Er schickt erstmals Auditoren in Zweigstellen und setzt sich mit Anwälten und Buchhaltern zusammen, die ihn beraten. Er verwendet, als erster außerhalb Italiens, die doppelte Buchführung und wird schließlich zum einflussreichsten Geschäftsmann aller Zeiten.

 

Textumsetzung: K. Park