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Die Geschichte des Geldes von den ersten Anfängen bis zum Bitcoin

Was ist Geld eigentlich?

Geld ist ein Handelsgut, das beim Transfer von Waren und Dienstleistungen von einer Person oder Institution zur anderen akzeptiert wird. Wirtschaftswissenschaftler unterscheiden zwischen drei verschiedenen Arten von Geld: Warengeld, Rechengeld und Bankgeld. Goldmünzen sind ein Beispiel für Warengeld. Rechengeld ist im Wert geringer ist als das, was es repräsentiert, z. B. Geldscheine. Bankgeld besteht aus dem Buchkredit, den Banken ihren Einlegern gewähren.
Was wir unter Geld verstehen, hat tatsächlich wenig Wert. Historisch gesehen kann es eine Muschel, eine Metallmünze oder ein Stück Papier mit einem lustigen Bildchen sein. Der Wert, den man damit verbindet, hat nichts mit dem faktischen Wert des Geldes zu tun. Geld erhält seinen Wert, indem es als Tauschmittel, eine Maßeinheit und eine Repräsentation für Vermögen anerkannt wird. Geld ist nur dann wertvoll, wenn alle anderen es als eine Form der Bezahlung akzeptieren. Um das Prinzip des Geldes zu verstehen, ist ein Blick auf seine Geschichte notwendig, wie es sich entwickelt hat und wie es heute verwendet wird.

Die Geschichte des Geldes

Als sich Geld noch wehrte

Geld ist seit mindestens 3.000 Jahren und in verschiedenen Ausführungen Teil der menschlichen Geschichte. Es wird angenommen, dass irgendwann ein System des Tauschhandels verwendet wurde – eine Beziehung zwischen zwei Individuen, von denen jeder etwas hat, was der andere will: Ich gebe dir eine Steinaxt, wenn du mir hilfst, ein Mammut zu erlegen. Doch solche Vereinbarungen benötigten Zeit. Man muss jemanden finden, der glaubt, dass eine Axt ein akzeptables Tauschobjekt ist, um sich den 3-Meter-Stoßzähnen eines Kolosses zu stellen. Mammuts waren dafür bekannt, sich zu wehren, wenn sie gejagt wurden. Wenn das nicht funktionierte, musste der Steinzeitmensch den Deal ändern, bis ein anderer Jäger den Bedingungen zustimmte. Eine der großen Errungenschaften des Geldes ist es, die Zeitspanne für einen Handel zu verringern, egal ob es sich um Mammutjagd oder Brückenbau handelt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelt sich eine prähistorische Währung, die leicht handelbare Güter wie Tierhäute, Salz und Waffen umfasst. Diese gehandelten Güter dienen als Tauschmittel, obwohl die Einheitswerte jeweils verhandelbar sind. Dieses Tausch- und Handelssystem verbreitet sich weltweit und es existiert heute noch in einigen Teilen der Welt.

Es beginnt in Asien

Eine kleine Kaurimuschel, die aus den Malediven stammt, ist schon in frühester Zeit ein begehrter Gegenstand in China und Indien. Von dort werden diese Objekte entlang der Handelsrouten nach Afrika getragen. Auf ähnliche Weise verwenden amerikanische Ureinwohner Wampum (eine kleine, weiße, zylindrische Muschel) für zeremonielle Geschenke oder als Schmuck. Um 1.100 v. Chr. kommen die Chinesen von der Verwendung von Werkzeugen und Waffen als Tauschmittel ab. Sie gehen zu Miniaturnachbildungen aus Bronze dieser Werkzeuge und Gegenstände über. Winzige Dolche, Spaten und Hacken werden für die weniger scharfkantige Kreisform aufgegeben – die ersten Münzen. Obwohl China das erste Land ist, das Münzen verwendet, werden die ersten geprägten Münzen um 650 v. Chr. in der Stadt Ephesus in Ionia (heute Westtürkei) hergestellt.

Zum Krösus geboren

Im Jahr 600 vor Christus prägt Lydias König Alyattes die erste offizielle Währung. Die Münzen werden aus Elektron hergestellt, einer natürlichen Legierung aus Silber und Gold, auf denen Tierbilder zur Unterscheidung zu erkennen sind. In den Straßen von Sardes, um 600 v. Chr., kostet ein Tongefäß zwei Eulen und eine Schlange. Lydias Münzgeld hilft dem Land bei der Entwicklung des Binnen- und Außenhandels und macht es zu einem der vermögendsten Reiche Kleinasiens. Die Metapher „so reich wie Krösus“ bezieht sich auf den letzten lydischen König, Krösus – Alyattes‘ Sohn, der die erste Goldmünze prägte. Die griechischen Städte westlich von Lydien und das große persische Reich im Osten übernehmen schnell diese nützliche Metallwährung. Am Ende des 6. Jahrhunderts ist die Münzprägung in der gesamten Region üblich. Im fernen Rom werden zur gleichen Zeit noch unbearbeitete Brocken aus Bronze zum Tauschhandel verwendet.

In Paper we trust

Gerade als es aussieht, dass Lydia das Geldgeschäft übernimmt, wechseln die Chinesen im Jahr 600 v. Chr. von Münz- zu Papiergeld. Als Marco Polo von 1271 bis 1295 dort vorbeischaut, hat der chinesische Kaiser Geld und andere Denominationen gut im Griff. An der Stelle, wo auf amerikanischen Banknoten „In God We Trust“ steht, besagt die chinesische Inschrift damals: „Alle Fälscher werden enthauptet!“. Bis ins 17. Jahrhundert verwenden die Europäer immer noch Münzen. Schließlich beginnen Banken, Geldscheine für Einleger und Kreditnehmer zu verwenden. Diese Scheine können in einer Bank gegen ihren Nominalwert in Silber- oder Goldmünzen eingetauscht werden. Die erste von europäischen Regierungen ausgegebene Währung wird von Kolonialregierungen in Nordamerika ausgegeben. Weil der Transport zwischen Europa und den Kolonien so lange dauert, geht dort oft das Geld aus. Anstatt zu einem Tauschsystem zurückzukehren, benutzten sie Schuldscheine (IOU – „I Owe You“), die als Währung gehandelt werden. Dies wird zuerst in Kanada, dann in einer französischen Kolonie eingeführt. Im Jahr 1685 erhalten Soldaten Spielkarten, die vom Gouverneur unterzeichnet und als Bargeld angenommen werden.

Geld regiert die Welt

In Europa beschleunigt Papiergeld den Umfang des internationalen Handels. Banken kaufen Währungen aus anderen Ländern und schaffen den ersten Devisenmarkt. Die Stabilität einer Monarchie oder Regierung beeinflusst den Wert der Währung des Landes und die Fähigkeit, auf einem zunehmend internationalen Markt zu handeln. Der Wettbewerb zwischen den Ländern führt oft zu Währungskriegen. Das 21. Jahrhundert erlebt zwei disruptive Währungsformen: Mobile Zahlungsmethoden und virtuelle Währung. Eine mobile Zahlung wird über ein tragbares elektronisches Gerät geleistet. Dienste wie PayPal, Apple Pay und Samsung Pay konkurrieren zunehmend mit der Akzeptanz ihrer Plattformen für bargeldloses Zahlen.

Es war einmal die Kryptowährung

Bitcoin wurde erstmals 2009 von Satoshi Nakamoto als Open-Source-Technologie eingeführt. Es handelt sich um eine digitale Währung (oder Kryptowährung), die nicht von Zentralbanken oder Regierungen ausgegeben wird. Bitcoin-zu-Bitcoin-Transaktionen werden durch den digitalen Austausch von anonymen, stark verschlüsselten Hash-Codes über ein Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P) durchgeführt. Das gesamte P2P-Netzwerk wird Blockchain genannt, eine universelle Sammlung aller Daten (Ledger). Die Bitcoins, Kontakte und Passwörter jedes Benutzers werden in einem Programm gespeichert, das als digitale Brieftasche (Wallet) bezeichnet wird. Das Bitcoin-Netzwerk wurde entwickelt, um genau 21 Millionen Bitcoins zu generieren. Zum jetzigen Zeitpunkt hat ein Bitcoin (auch BTC genannt) einen Wert von 7.238,58 Euro – aber genau wie auf dem Aktienmarkt kann der Wert von Bitcoins schnell und dramatisch schwanken.

Auf einen Blick: Entwicklung des Geldes auf der Zeitachse

  • 10.000+ v. Chr. – Tauschhandel: Menschen handeln mit Gegenständen und Gütern. Es ist noch immer eine Handelsform in bestimmten Teilen der Welt.
  • 9.000 v. Chr. bis 6.000 v. Chr. – Kühe und andere Nutztiere sind die erste Form von Geld. Mit Beginn der Landwirtschaft wurden auch Getreideprodukte zur Währung.
  • 1.200 v. Chr. bis 1.000 v. Chr. – Kaurimuscheln sind im Pazifischen und Indischen Ozean zu finden. China nutzte sie zuerst als Währung. In Afrika wurden Kaurimuscheln bis Mitte des 20. Jahrhunderts verwendet.
  • 1.000 v. Chr. bis 500 v. Chr. – Metallgeld und Münzen: China begann mit der Verwendung von Muscheln, die aus Bronze und Kupfer hergestellt wurden. Diese werden als die früheste Form von Münzgeld betrachtet.
  • 500 v. Chr. – Außerhalb Chinas wurden moderne Münzen aus Silber geschmiedet. Was heutzutage Politikern und anderen Persönlichkeiten auf Scheinen und Münzen vorbehalten ist, waren damals Prägungen mit Göttern.
  • 100 v. Chr. bis 1800 n. Chr. – Auch andere Gegenstände wurden als Zahlungsmittel verwendet. Weißes Hirschleder war in China beliebt. Amerikanische Ureinwohner verwendeten Potlatch und Wampum.
  • 806 n. Chr. – Papiergeldscheine erschienen zuerst in China und wurden vom 9. bis zum 15. Jahrhundert benutzt. In Europa dauerte es weitere drei Jahrhunderte, bevor es als Verwendung fand.
  • 1792 bis 1816 – Der Goldstandard: In den USA wurden Richtlinien entwickelt, um eine feste, inflationsfreie Produktion von Banknoten zu ermöglichen, die eine bestimmte Menge Gold darstellen.
  • ab 1930 – der Beginn der Großen Depression brachte große Veränderungen des Geldhandels mit sich
  • 1970er Jahre – der US-Dollar wurde vollständig von Gold losgelöst. Die meisten Länder verwenden eine Papierwährung, deren Wert von einer Zentralbank reguliert wird.
  • 2009 – der Bitcoin wurde als erste dezentrale Kryptowährung geschaffen.

 

 

Textumsetzung: K. Park